Theater To-Go oder: Zu viele Monologe!

Das Münchner Residenztheater öffnet wieder. Kleine Gruppen erkunden auf „Theaterparcours“ das Haus und bekommen ein kleines Best-Of aus verschiedenen Inszenierungen geboten.

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Maresa Sedlmeir

aufgewachsen im Fünfseenland, Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaft an der LMU. Seit dem 9. Lebensjahr im Synchronstudio gefangen, spricht u.a. bei Game of Thrones, Good Girls, Miracle Workers sowie div. Hörspiele und Werbung. Weitergequatscht bei M94.5 als Moderatorin und Redakteurin für Kulturthemen. Seit 2018 Studentin der Theater-Film und Fernsehkritik an der HFF München/August Everding Theaterakademie, wo sie im Juni 2019 das Theaterfestival UWE mitkuratiert und ausrichtet.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Nina Mohs

aufgewachsen in Aaachen und Wiesbaden. Studium der Theaterwissenschaft, Sprache, Literatur und Kultur an der LMU in München (2015-2018) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2018). Einige Jahre auf und hinter der Bühne des Theaters verbracht. In die Bereiche Filmverleih und Postproduktion eingetaucht, aber immer beim Schreiben geblieben. 3 Jahre als Redakteurin bei M94.5 Beiträge getextet, produziert und gesprochen. 2018 dann die Entscheidung für den Kulturjournalismus mit Schwerpunkt Film und Theater. 2019 das erste Mal das Theaterfestival UWE, mitorganisiert.

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Fitnessstudio-Gedudel klingt durch die Blaue Grotte im Residenztheater. Der verspiegelte, in blaues Licht getauchte Raum – eigentlich ein Durchgang zwischen Bar und Bühne im Foyer des Bayerischen Staatstheaters – wird gleich Spielort für den Schauspieler Christian Erndt. Im schicken Sportoutfit mit Yogamatte unter dem Arm und einer kleinen Box in der Hand, positioniert er sich vor seinen vier Zuschauern und beginnt mit einer Szene aus Wolfram Lotzʼ Stück „Einige Nachrichten an das All“. Nicht länger als zehn Minuten dauert dieses  Intermezzo; und Erndt verschwindet schwitzend, samt Sportausrüstung wieder hinter der Bar. Das Publikum muss weiterziehen.

Normalerweise drängen sich in der Blauen Grotte um diese Zeit, an einem Sonntagabend, die Zuschauer*innen. Normalerweise holt man sich hier noch schnell ein Getränk, bevor es losgeht. Normalerweise ertönt gleich der erste Gong für den Einlass in den Zuschauerraum der großen Bühne. Dieses Normalerweise gab es zuletzt vor drei Monaten, vor der Pandemie, vor dem Lockdown. Erst seit Mitte Juni darf das Residenztheater für Gruppen aus 50 Zuschauer*innen seine Türen wieder öffnen.

Damit das Theater aber nicht unbespielt bleibt und man sich in kleinen Schritten wieder dem Alltag annähern kann, bietet das Ensemble seit Juni einen Theaterparcours im Stil eines Museums-Rundgangs an. Alle zehn Minuten dürfen zwei Gruppen aus maximal vier Leuten durch das Foyer, über die große Bühne, die Hinterbühnen, die vielen verwinkelten Gänge oder Technikräume schlendern und sich kurze Ausschnitte aus verschiedensten Inszenierungen anschauen.

Diesen Sonntag sind es Pauline Fusban und Juliane Köhler, die sich im Einlass in gelben engen Kostümen, auf weißen unbequemen High-Heels um die Krone der Kosmetikverkäuferinnen aus „Für immer schön“ von Noah Haidle streiten. Thomas Lettow – hinter dem eisernen Vorhang im goldenen Ganzkörperanzug, im Licht glitzernd – philosophiert über die Technik in einem  Monolog aus „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends“ von Peter Licht. Die wenigen Zuschauer*innen stehen dabei brav auf ihren Markierungen, atmen durch  ihre Masken ein und aus oder hören auf die Anweisungen von Schauspieler*innen und folgen den Museumsführer*innen.

Eigentlich eine schöne und spannende Idee, dieser Parcours! Voller Aufregung und Überraschungen und in voller Erwartung auf das, was als Nächstes kommt, lässt man sich durch Räume des Theaters führen, die man sonst nicht sieht oder bisher vielleicht gar nicht wahrgenommen hat. Doch diese großen Erwartungen können nicht erfüllt werden. Während man noch bei „Für immer schön“ oder in der Grotte bei Christan Erndt gebannt zuschaut, lauscht und unsicher ist, ob man gleich in den Auftritt miteingebunden wird oder fasziniert von der ungewohnt geringen Distanz zwischen Schauspieler*innen und einem selbst ist, fällt diese Aufregung spätestens nach der dritten Station ab.

Zu zusammenhanglos wirken die einzelnen Ausschnitte, zu wenig Unterschiede gibt es zwischen den Szenen – und es sind einfach zu viele Monologe! Das Konzept ist schnell durchschaut. Zumindest für eine Zuschauergruppe. Denn die zweite sieht andere Szenen an anderen Orten, vielleicht sogar abwechslungsreichere Ausschnitte. Variationen des Parcours gibt es nämlich zu Genüge, wenn man einmal einen Blick in das Programmheft wirft. Und so lässt sich hoffen, dass man an diesem Tag vielleicht einfach die falsche Gruppe in diesem Theater To-Go erwischt hat.

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