Kopflos

Anita Helena Recke und Julia*n Medina unterziehen sich beim Festival Radikal jung am Münchner Volkstheater in ihrem „Angstpiece“ einer Therapiestunde.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Beruhigende, rauschende Musik erfüllt die Große Bühne im Münchner Volkstheater. Immer wieder durchschneidet das künstliche Wiehern eines Pferdes die scheinbar entspannende Atmosphäre. Das Geräusch stammt von einem braunen Stoffschaukelpferd auf der Bühne, neben dem es sich Perfomer*in Julia*n Meding auf dem weißen sterilen Boden gemütlich gemacht hat. „Ich begebe mich an meinen sicheren Ort“, ruft Meding ins Mikrofon und schaut dabei zu, wie eine bunte Lufthüpfburg langsam aufgepumpt wird.

In Anta Helena Reckes Inszenierung „Angstpiece“ hat Perfomer*in Meding Agoraphobie, Platzangst. Öffentliche Orte zu besuchen ist ihr/ihm aufgrund der Angst und Panikattacken fast unmöglich, der soziale Rückzug in die eigene Wohnung die Konsequenz.  Doch Meding stellt sich auf der Bühne seiner/ihrer Agoraphobie und will in 70 Minuten die Angst überwinden. Therapeutische Übungen sollen die Lösung sein und werden nacheinander von Meding in dem schon fast klinisch wirkenden Bühnenbild umgesetzt.

Ein weißes Pferd ohne Kopf wird aufgeblasen, während von dem erfolglosen Versuch erzählt wird, zwei T-Shirts bei H&M zu kaufen – eine therapeutische Maßnahme. Meding soll seine/ihre Atmung normalisieren und hyperventiliert fast ins Mikrofon. Die Gedanken sollen auf „normal“ umgedacht werden und der Körper Medings verfällt in ruckartige, absurde Bewegungen. Reckes und Medings gemeinsames Konzept, therapeutische Übungen und die teilweise absurd wirkenden Heilungsmaßnahmen von Angststörungen auf der Bühne durch maßloses Scheitern zu dekonstruieren, hat Potential.

Doch die Inszenierung wirkt unentschlossen, oft  lächerlich. Alles ist übertrieben, aber gleichzeitig nicht übertrieben genug. Kurz: halbherzig. Zwischen den Übungen wird versucht, mehrere politische Ebenen zu öffnen. Plötzlich geht es um Gender oder Nato-Stacheldraht. Warum? „Angstpiece“ verliert sich letztlich in der Menge von angeschnittenen, jedoch nicht ernsthaft thematisierten Fragen. Ein kraftloser Abend – unfertig, mau wie die halb aufgeblasene Lufthüpfburg.

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