Frames from movies that where never made

In Zeiten des Lockdowns in der Corona Krise wurden die Werke Edward Hoppers zu Symbolbildern für die soziale Isolation. Bereits seit Anfang des Jahres zeigt die Basler Fondation Beyeler eine repräsentative Gesamtschau des Malers und einen Kurzfilm von Wim Wenders.

Von Pablo Bücheler

Von Pablo Bücheler

Von Pablo Bücheler

David Pablo Bücheler

Vergangene Woche wurde die Ausstellung des US-amerikanischen Malers Edward Hopper ein zweites Mal verlängert. Bis zum 20. September geht die Schau in die zweite Zugabenrunde. Und das nicht etwa nur aufgrund des Lockdowns in der Schweiz von März bis Mai, der die Fondation zwang, viele Wochen zu schließen.

Obwohl bereits 1967 gestorben, ist Edward Hopper so etwas wie der Maler unserer Zeit. Er war es vor Corona und ist es heute umso mehr. Die Auswirkungen der Krise haben den Blick auf diesen sonderbaren Maler mit seinen ikonischen Darstellungen einsamer Menschen in Schlafzimmern, auf Balkonen oder in Restaurants aufs Neue verändert. Menschen rund um den Globus waren durch die Lockdown Verordnungen zum Verharren in den eigenen vier Wänden und zum Kommunizieren über die Sozialen Medien gezwungen. Millionen Menschen teilten die Bilder Hoppers auf ihren Kanälen, erkannten sich wieder in den Figuren, auf dem Bett sitzend, müde, träge, mit dem Blick sehnsuchtsvoll aus dem Fenster, als gäbe es da draußen eine bessere Welt.

Während die Ausstellung in Basel schließen musste, wurden Edward Hoppers Gemälde zu Symbolbildern für die soziale Isolation. Glück im Unglück für die Fondation Beyeler, die sich deshalb seit der Wiedereröffnung über besonders viele Besucher freut. Die vergleichsweise lockeren Corona-Vorschriften in der Schweiz machen es möglich. Zu sehen bekommen die Ausstellungsbesucher*innen aber weit mehr, als den meisten von Hopper wohl bekannt sein mag.

Dieser bereiste in den 1940er-Jahren weite Teile der USA, vor allem die Westküste. Die Schau umfasst Aquarelle und Ölgemälde der 1910er- bis 1960er-Jahre und beschreibt damit fast alle Werkphasen Hoppers. Den Schwerpunkt der Ausstellung in der Fondation Beyeler bilden seine Darstellungen der unendlichen Weite amerikanischer Landschaft und Städte. Skizzen, die im Auto im Vorbeifahren gemacht wurden.

Ein Thema, das bisher kaum in den Fokus von Ausstellungen zu Edward Hopper gerückt wurde, aber von zentraler Bedeutung für das Verständnis und die Rezeption seines Werks ist. Der Mensch rückt in dieser Retrospektive in den Hintergrund. Er ist Bestandteil, aber nicht Protagonist einer Geschichte, die an diesen archetypischen amerikanischen Orten erzählt werden.

Tatsächlich bietet die Ausstellung auch die Möglichkeit, diese Geschichten auf völlig neue Art weiter zu erkunden. Dreimal stündlich wird im Mittelraum der Fondation Wim Wenders’ 3D-Kurzfilm „Two or three things I know about Edward Hopper“ gezeigt, der exklusiv für diese Ausstellung gedreht wurde. „In Front of Edward Hoppers Painting, I always get the feeling that they are frames from movies that where never made!“ Diesen Gedanken stellt Wenders seinem 3D-Kurzfilm voran. Wenders macht Hoppers Gemälde tatsächlich zu Filmframes. Dennoch werden die Geschichten nur angedeutet .

Der Film ist eine Verbeugung vor der großen narrativen Kraft in Hoppers Werk. Wie hineingeworfen in Hoppers Gemälde fühlt man sich als Betrachter. Und spätestens dann fällt einem auf, dass eine Reduzierung auf die Corona-Isolation den Bildern Hoppers nicht gerecht werden würde.

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