Die Stadt der Wunder

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Die Schau „Mirabilis“ im Papstpalast von Avignon versammelt Schätze aus fünf Museen der Stadt in einer Wunderkammer.

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Es gibt Sehenswürdigkeiten, zu denen wirklich alle Touristen pilgern – egal ob alt oder jung, Tagesausflügler oder Übernachtungsgäste, Kunstkenner oder Gelegenheits-Museumsgänger. In Avignon ist die Hauptattraktion der mittelalterliche Papstpalast, der mit seiner massiven gotischen Fassade und Türmen das historische Stadtbild prägt. Zusammen mit der halben Brücke, die man genauso gut von außen bestaunen kann, statt sich extra ein überteuertes Ticket zu kaufen, wurde der Gebäudekomplex mit dem Unesco-Weltkulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Ein weiterer Garant für seine touristische Strahlkraft. Und wenn das Theaterfestival im Sommer den Cour d’Honneur, den Ehrenhof dieses Palastes, mit Zuschauertribüne und Bühnenkulisse bespielt, setzt man zusätzlich auf die anreisende Menge an kunstaffinen Theatergängern.

Der Rundgang durch den Papstpalast nebst Dauerausstellung präsentiert sich dementsprechend auf dem aktuellen Stand der multimedialen Museumsführung: mit Tablets und mehrsprachigem Audioguide. Spielerisch für Kinder, informativ für Erwachsene. In jedem Saal lässt sich eine Black Box scannen, wodurch sich das fotografische Abbild des Raums auf dem Bildschirm in eine animierte Rekonstruktion verwandelt. So werden zwar verlorene Tapisserien oder verbrannte Bemalungen der Holzdecken sichtbar, doch täuscht der künstliche Eindruck nicht über die computerspielartige Ästhetik hinweg, bei der man nicht sicher ist, ob sie kunsthistorisch belegt oder kreativ fantasiert wurde. Zu den Informationen über die unterschiedlichen Saalfunktionen (Sakristei, Kapelle, Speisesaal, Schatzkammer etc.) sind auf dem Tablet immer wieder Spielereien eingebaut. Beispielsweise lässt sich eine versteckte Truhe suchen und öffnen, was aber dazu führt, dass die eigentlichen Schätze weniger Beachtung finden. Viele Besucher stolpern mit vorgehaltenen Tablet von Raum zu Raum, vorbei an den erhaltenen Tonfließen und wertvollen Goldmünzen.

Im letzten Saal, in dem sich in diesem Jahr die Sonderausstellung „Mirabilis“ befindet, stehen dagegen ganz die aus fünf Museen der Stadt zusammengetragenen Objekte im Mittelpunkt. Der Kurator Christian Lacroix inszeniert eine Kunst- und Wunderkammer quer durch alle Kontinente und Epochen. Dass sakral und profan, antik und modern aufeinandertreffen, ist zwar kein neues Konzept mehr, aber manchmal schärft es den Blick für die individuellen Spezifika. So führt ein europäischer Ritterhelm aus Metall dazu, dass man die schützenden und dekorativen Materialen einer Samurai-Rüstung aus Holz, Stoff und Gold genauer wahrnimmt. Andere Zusammenstellungen, wie etwa die von Schmetterlingen, einem Schlangenskelett, einem Elfenbeinhorn und Schüsseln aus Afrika, Asien und Amerika bleiben dagegen rätselhaft. Auf jeden Fall bietet der Papstpalast Museen Petit Palais, Calvet, Lapidaire, Requien und Palais du Roure die Möglichkeit, sich ausschnittsweise allen Besuchern zu zeigen, die nicht automatisch jedes Kunst- oder Naturkundemuseum besuchen. Wen das Blühen und Verwelken der Orchideen, das Reifen und Verfaulen von Aprikosen auf den Stillebenbildern oder die idyllischen oder stürmischen Seestücke von Hubert Robert und Joseph Vernet zum Staunen bringen, der wird sich danach von alleine in das verwinkelte Gassennetz von Avignon begeben – auf der Suche nach den versteckten Wunderschätzen der Stadt.

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