Die Schuldfrage

Der True-Crime-Podcast „Christin und ihre Mörder“ zeigt, wie spannend Kriminalgeschichten aufgearbeitet werden können.  

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Berlin-Lübars, Juni 2012. Eine Spaziergängerin findet die Leiche einer jungen Frau im Gebüsch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, schnell ist klar: Die einundzwanzigjährige Christin wurde ermordet.

Der Fall ging durch die Presse, das Schicksal des „Pferdemädchens“ erschütterte nicht nur ihre kleine Heimatgemeinde. Drei Jahre später endete der Kriminalprozess. Fünf Menschen werden wegen Mordes und Anstiftung zum Mord schuldig gesprochen.

Die beiden Journalistinnen Martina Reuter und Ute Eisenhardt haben den Gerichtsprozess verfolgt und sich intensiv mit Christins Schicksal beschäftigt. Sie sind der Meinung, dass einige wesentliche Punkte im Prozess nicht geklärt worden seien. Reuter und Eisenhardt entschieden sich deswegen, aus Christins Geschichte einen Podcast für den Rundfunk Berlin Brandenburg zu machen. „Christin und ihre Mörder“ ist ein True-Crime-Podcast – ein wahrer Fall also.

Eisenhardt und Reuter beschäftigten sich jahrelang mit Christins Geschichte: Sie recherchierten, befragten die Familie des Opfers, ihre Freunde, aber auch die Angeklagten und deren Umfeld. Allerdings konnten sie keine neuen Fakten zutage bringen – die beiden Journalistinnen werfen jedoch einige wichtige Fragen auf. 

 „Christin und ihre Mörder“ beginnt mit der Mordnacht, geht dann aber noch einmal ein Jahr und vier Monate zurück. An den Anfang der Geschichte, die schließlich in einen Mord mündete, dessen Motive so lächerlich erscheinen. In jeder der acht halbstündigen Folgen wird ein weiterer Aspekt des Falls geklärt. Es geht um den Prozess und die polizeilichen Ermittlungen, aber vor allem um Christins Leben. Die erste Episode erzählt, wie sie ihren Freund Robin an ihrem Ausbildungsplatz, dem Goldnebelhof, kennenlernt. Robin ist einer der Täter, der schließlich für ihren Tod verantwortlich sein soll.  Auch er kommt im Podcast zu Wort: am Telefon, aus seiner Gefängniszelle.

„Christin und ihre Mörder“ hat das richtige Erzähltempo, eingeblendete Interviewausschnitte wechseln sich mit Kommentaren der Autorinnen und gelesenen Sprecherpassagen ab. Martina Reuter und Ute Eisenhardt lassen die verurteilten Täter zu Wort kommen, sie werten dabei nicht. Sie dröseln den komplizierten Fall Stück für Stück auf. Trotz der genauen und vielschichtigen Analyse wird der Zuhörer weder überfordert, noch langweilt er sich. Und stellt sich am Ende selbst die Frage:

Wie ist Christin wirklich gestorben

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