Bürgerkrieg in Deutschland

Martin Heindel wirft in seinem Podcast „NeuNuernberg“ die Kriegsmaschinerie an – auf allen Ebenen.

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Was wäre, wenn es in Deutschland einen Bürgerkrieg geben und wieder eine innerdeutsche Trennung existieren würde? Dieses Szenario entspinnt Martin Heindel in seinem Podcast „NeuNuernberg“ produziert für WDR 1Live.

Ein Teil Bayerns hat sich abgespalten vom Rest Deutschlands und nennt sich nun „Freistaat Deutschland”, das ehemalige Nürnberg liegt im Kriegsgebiet und heißt NeuNuernberg. Hier findet der Großteil der Handlung statt. Im Zentrum steht die Jung-Reporterin Luzy Pape, welche alleine im umkämpften Gebiet strandet und dort ihr Überleben sichern muss. Sie fängt an, sich dort ein Leben aufzubauen; und schon bald ist sie die Nummer-Eins-Reporterin aus der Krisenregion.

Sie interviewt die Vertreter unterschiedlicher Lager, verfolgt aber auch ihre eigene, ebenso wenig neutrale Agenda. Denn je mehr Zeit sie in „der Zone“ verbringt, umso mehr ergreift sie Partei für die NeuNuernberger. Dabei stellen sich Luzy und auch den Zuhörern immer wieder die Fragen: Welchen Informationen und Personen kann ich trauen? Und wo wird vielleicht sogar bewusst Verfälschung betrieben?

„NeuNuernberg“ ist eine Geschichte über das Leben im Bürgerkrieg. Dabei zeigt der Podcast, was für ein falsches Bild von solchen Kriegsgebieten vermittelt wird, wenn Reporter immer nur kurz eingeflogen werden und nicht über einen längeren Zeitraum die Stimmung der Region aufnehmen können. Denn auch hier leben Menschen. Diese versuchen, aus ihrer Situation das Beste zu machen und passen sich den Umständen an.

Doch auch die Massaker und Kriegsverbrechen, welche in solchen Regionen verübt werden, bekommt der Zuhörer schonungslos auf die Ohren. Besonders in diesen Szenen zeigt sich, dass „NeuNuernberg“ bewusst trashig sein will, laut und hektisch und immer eine Spur drüber. Die Personen sind klischeehaft, das erzählerische Chaos passt gut zur chaotischen Lage, die in NeuNuernberg herrscht.

Wie aktuell dieses Thema ist, wird deutlich, wenn man einmal über Deutschland hinausdenkt: In Ländern wie der Ukraine, Syrien, Nigeria oder Libyen leben Menschen in einer ähnlichen Situation wie in der fiktiven Zukunftsversion von „NeuNuernberg“. Das Hörspiel ist trotz seines Krawall-Charakters dann eben doch eine Warnung, ein Appell gegen Krieg und Spaltung sowie ein Aufruf zum Zusammenhalt, auch über Deutschland hinaus.

Vor allem in den ersten und letzten Folgen wird die Spannung sehr hoch gehalten und man fiebert als Zuhörer enorm mit. Es gelingt dem Regisseur und Autor Martin Heindel, in dem Dutzend Episoden, die zwischen siebeneinhalb Minuten und einer Viertelstunde lang sind, ein glaubwürdiges Gefühl für das fiktive Kriegsgebiet NeuNuernberg zu vermitteln. Und durch das offene Ende muss noch lange nicht Schluss sein mit der Berichterstattung über diesen innerdeutschen Konflikt.

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