Der Sound der Zwanziger

Die ARD setzt Volker Kutschers historischen Berlin-Krimi „Der nasse Fisch“ zum zweiten Mal spannend um: Nach der Streaming-Serie „Babylon Berlin“ gibt es nun unter dem originalen Romantitel auch die Podcast-Serie.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Die ARD setzt Volker Kutschers historischen Berlin-Krimi „Der nasse Fisch“ zum zweiten Mal spannend um: Nach der Streaming-Serie „Babylon Berlin“ gibt es nun unter dem originalen Romantitel auch die Podcast-Serie.

Ein nasser Fisch. So sagt man in Berlin zu einem ungelösten Fall. Zumindest Ende der 1920er-Jahre. Und genau mit einem solchen undurchsichtigen Fall muss sich der Kölner Kommissar Gereon Rath in der achtteiligen Hörspielserie „Der nasse Fisch“ herumschlagen.

Der gleichnamige Roman von Volker Kutscher aus dem Jahr 2008 bildet die Grundlage für das Hörspiel – auf ihm basiert auch Tom Tykwers Serie „Babylon Berlin“, die von der ARD koproduziert worden ist. „Der nasse Fisch“, realisiert von den drei ARD-Anstalten Radio Bremen, WDR und RBB, erweitert diese Geschichte nun in den Hörfunk.

Gereon Rath, der aus zunächst unbekannten Gründen 1929 von Köln zur Sittenpolizei nach Berlin versetzt wird, soll eigentlich einem gefährlichen Pornoring auf die Schliche kommen. Schnell wird klar, dass der Fall im Berliner Untergrund viel verworrener als gedacht ist. Sich immer wieder an der Grenze zur Illegalität bewegend, versucht Rath in einer Stadt, die überflutet ist von Kriminalität, Drogen und Korruption, die sich häufenden Morde aufzuklären.

In jeweils 30-minütigen Episoden schafft es der Regisseur Benjamin Quabeck in dieser Gemeinschaftsproduktion von RB, RBB und WDR, den Zuhörer in die schillernde Zeit der Weimarer Republik zurückzuversetzen. Die Atmosphäre wird dabei stark von der besonders ausgeprägten Geräusch- und Soundkulisse getragen. Jede Bewegung, jedes Reiben von Kleidung, jeder Zigarettenzug und jedes Klirren im Hintergrund ist zu hören, was die Erzählung besonders plastisch erscheinen lässt.

Die Musik von Verena Guido und dem Ensemble des WDR-Hörfunkorchesters nimmt dabei eine der wichtigsten Rollen im Hörspiel ein. Der begleitende Klang vom Jazz und Swing der 1920er-Jahre verstärkt das Gefühl, in einem Berlin aus einer anderen Zeit zu sein. Einem Berlin, das von Rausch, Party und Gewalt geprägt ist. Die Soundkulisse ist so detailreich gestaltet, dass man es sich bildlich vorstellen kann, wenn Gereon Rath und Charly Ritter gemeinsam durch die Nacht laufen.

Die Handlung, ein anfangs fast geklärter Fall, der sich aber zu einem zunehmend verstrickten Rätsel für Rath entwickelt, wird besonders durch die markanten und charakterstarken Stimmen der Figuren vermittelt. Wenn der eher zwielichtige Polizist Bruno Wolter mit Peter Lohmeyers tiefer und kratziger Stimme den Raum betritt, fährt es einem kalt den Rücken herunter. Oder Alice Dwyers sanfte und leicht rauchige Stimme, die die Figur Charly Ritter auch im Hören attraktiv macht.

Trotzdem ist es wichtig, dem Hörspiel mit so wenig Ablenkung wie möglich zu folgen. Die Menge an Handlungssträngen und Verzweigungen steigt stetig. Denn aus Pornoring wird Russen-Mafia, Polizistenmord und verschollener Goldschatz. Schon kurze unaufmerksame Momente können für Verwirrungen sorgen und den Hörer aus der Handlung werfen. Besonders das große Figurenpersonal mit teilweise doch sehr ähnlichen männlichen Stimmen ist daran nicht ganz unschuldig.

In „Der nasse Fisch“ sind aber nicht nur die mysteriösen Morde spannend. Die politischen und tatsächlichen Begebenheiten aus dem Jahr 1929, die Kutscher in seine Geschichte einwebt, lassen die gesamte Szenerie noch zeitgebundener und somit realistischer wirken. So ist der Zuhörer durch Kommissar Gereon Rath nicht nur bei den ausschreitenden Unruhen am 1. Mai 1929 zugegen. Sondern wird mit Rath auch Zeuge des aufkeimenden Nationalsozialismus. Spannend ist dabei, dass Rath noch nicht weiß, was ihm damit bevorsteht, der Zuhörer aber schon.

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