Das große Lachen

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Der Comedian Kumail Najiani hat einen Film über seine Liebe zu der Amerikanerin Emily gedreht. „The Big Sick“ findet eine kluge, herzliche Antwort auf kulturelle Differenzen.


Von Maike Müller

Von Maike Müller

Maike Müller

Maike Müller hat schon früh eine Leidenschaft für absurde Satzstrukturen und verzwickte Metaebenen entwickelt. Nach dem Abitur studierte sie darum Germanistik in Mannheim und Kanada. Nach einigen Ausflügen hinter den Theatervorhang wandte sie sich dann dem Schreiben und dem Studiengang "Theater-, Film- und Fernsehkritik" zu. Seitdem haut sie für die Cult, die Süddeutsche Zeitung und deren Digitale Ausgabe immer wieder in die Tasten.



Verhaltenes Klatschen. Ein Pakistani im Norwegerpulli tritt ins amerikanische Scheinwerferlicht. Ein paar harmlose Witze, vereinzelte Lacher. „Sind Pakistani im Haus?“, fragt er. Eine quirlige Blonde jubelt. Sie ist eindeutig nicht aus Pakistan. Den Mann im Norwegerpulli, Kumail, bringt ihr Ausbruch aus dem Konzept. Was fängt man damit an, als Stand-Up-Comedian? Ein schneller Witz, und weiter im Programm. Aber diese Provokation kann er auch nach der Show nicht auf sich sitzen lassen. Es geht hier schließlich um Kultur, und das ist kein einfaches Thema.

Also erklärt Kumail der skurrilen Frau an der Bar, Emily, dass man so etwas doch nicht machen könne. Natürlich meint er das nur halb im Ernst. Humor ist seine Antwort auf die Schwierigkeiten des Lebens. Die beiden landen schließlich im Bett, und schon beginnt eine der wortwitzigsten und verrücktesten Liebesgeschichten, die das Kino seit einer Weile zu bieten hat. „The Big Sick“ zeigt die Vergangenheit von Regisseur und Hauptdarsteller Kumail Najiani und seiner Frau Emily Garnder. Sie haben das Drehbuch für den Film gemeinsam geschrieben. Das Leben wirft offenbar immer noch die besten Geschichten ab.

Nun weiß man also schon, dass es ein Happy End für die beiden gibt. Aber der Weg dahin ist so verworren, liebevoll und lustig, dass man nicht umhinkommt, sich von „The Big Sick“ mitreißen zu lassen. Einfach haben es die beiden nämlich nicht: Kumails Familie erschwert die Beziehung zu der Amerikanerin. Die Verwandtschaft will ihn verheiraten – innerhalb der eigenen Kultur. Als Emily erfährt, dass Kumail zur pakistanischen Brautschau gezwungen wird, trennt sie sich von ihm. Kurz darauf infiziert sie sich mit einem rätselhaften Virus und fällt ins Koma.

Trotz der Trennung bleibt Kumail an Emilys Seite. Ihre Eltern sind allerdings nicht gut auf ihn zu sprechen: Einerseits wegen der Trennung, andererseits haben sie Vorbehalte wegen seiner Herkunft. Aber in „The Big Sick“ gibt es keine Tyrannen. Stattdessen zeigt der Film, dass alle Menschen nun mal Vorurteile haben, egal woher sie kommen. Der Film ist mehr als nur eine schöne Liebeskomödie. Er zeigt kulturelle Differenzen, die zum Problem werden. Aber auch, dass sie mit Humor und etwas Lockerheit überwindbar sind.