Endlich abgefackt

Constantin

Altenpfleger? Mitarbeiter im Klärwerk? Nein, das ist unter ihrem Niveau. Chantal und ihre Gang müssen im dritten „Fack ju Göhte“ auch noch Abitur machen. 


Von Maike Müller

Von Maike Müller

Maike Müller

Maike Müller hat schon früh eine Leidenschaft für absurde Satzstrukturen und verzwickte Metaebenen entwickelt. Nach dem Abitur studierte sie darum Germanistik in Mannheim und Kanada. Nach einigen Ausflügen hinter den Theatervorhang wandte sie sich dann dem Schreiben und dem Studiengang "Theater-, Film- und Fernsehkritik" zu. Seitdem haut sie für die Cult, die Süddeutsche Zeitung und deren Digitale Ausgabe immer wieder in die Tasten.



Ach, wäre diese Schule doch nur schon nach dem ersten Film geschlossen worden. Der erste „Fack ju Göhte“ war originell und auch sprachlich ganz lustig. Aber mit der Reihe ging es bergab wie mit Chantals Notenschnitt. Immer das Gleiche: Lehrer hat keinen Bock. Lehrer schreit Schüler an. Schüler mögen Lehrer nicht. Lehrer mag Schüler plötzlich. Also mögen Schüler Lehrer. Und das ganze Hin und Her nur, damit alle Kinder in konventionelle Bahnen gehievt werden und schließlich, in „Fack ju Göhte – Final Fack“, sogar unbedingt das Abitur bestehen.

Die Goethe Gesamtschule würde keiner freiwillig betreten. Das sieht auch der Schulprüfer und droht mit der Schließung, wenn die Schule nicht in kürzester Zeit „strengste“ Auflagen erfüllt. Fünf weitere Schüler aufnehmen zum Beispiel. Und bei einem Kunstwettbewerb mitmachen. Der Schulleiterin Gudrun Gerster droht die Versetzung nach Brandenburg, AfD-Land, wenn sie und ihre Kollegen das nicht hinbiegen. Um die Jugendlichen geht es nicht; selbstlos ist hier keiner. Auch der Lehrer Zeki Müller natürlich nicht. Zwar hat er seine Schüler in den zwei vorherigen Filmen liebgewonnen, das hat er aber zu Beginn des dritten „Fack ju Göhte“ wieder vergessen. Die Schulleiterin droht ihm nun damit, ihn doch noch anzuzeigen. Dann müsste er wieder in den Knast. Also macht er mit bei den Bemühungen, diese Schule zu erhalten, die so wenig erhaltenswert scheint wie ein Müllhaufen im Englischen Garten.

Der ewig schwindende Egoismus

Irgendwie ist er ja fast sympathisch ehrlich, dieser schonungslose Egoismus. Aber er währt nicht lange. Zeki muss feststellen, dass mit diesen Kindern nur etwas zu gewinnen ist, wenn er sie motiviert. Seit dem Besuch bei einem Karriereinstitut, das ihnen Jobs wie Altenpflegerin und Klärwerksmitarbeiter vorausgesagt hat, haben Chantal, Danger und Co aber gar keine Lust mehr auf die Schule. Diese Jobs will schließlich keiner haben, der wirklich was auf sich hält. Um sie zum Unterricht zu kriegen, müssen mal wieder unkonventionelle Mittel her. Zeki schießt ihnen GPS-Chips unter die Haut, um sie beim Schwänzen aufspüren zu können, lässt Grundschulkinder Briefe über ihre Berufswünsche schreiben und dreht diese den Gesamtschülern als eigene Kindheitsträume an. Seine absurden Versuche helfen aber nicht. Er muss an die Schüler glauben – und erneut schwindet der Egoismus.

Zekis dritte Reise auf dem Weg zum ordentlichen Lehrer ist unerträglich langweilig. Dennoch schnellte „Fack ju Göhte 3“ in den Kinocharts sofort nach oben. Schon der erste Teil der Reihe hatte 2014 die meisten Kinobesucher in Deutschland. Warum? Viel und gerne wird über das deutsche Bildungssystem debattiert. Vielen wird in „Fack ju Göhte“ genau das gezeigt, was sie sich vorstellen: Dumme Kinder, die sich lieber die Nägel lackieren, als „Homo faber“ zu lesen. Während sich Mütter im Kino über die Jugend heutzutage empören und jüngere Zuschauer über die vermeintliche Jugendsprache lachen, kann sich einem, trotz der Langeweile, der Magen umdrehen. „Fack ju Göhte 3“ ist vielleicht vor allem etwas für Akademiker, die sich noch ein bisschen schlauer fühlen und sich daran erfreuen wollen, dass sie schon immer auf der richtigen Bahn waren; wogegen die Jugendlichen auf der Leinwand erst mit Gewalt hineingedrückt werden müssen. Wenn sich Zekis Schüler nicht benehmen, werden sie schon mal ans Auto gebunden und zurück in die Schule geschleift.

Lustig ist das nicht mehr. Der Sprachwitz ist komplett weg, das Schauspiel wirkt so künstlich wie in einem Youtube-Schmink-Tutorial. Lediglich Sandra Hüller bringt als Lehrerin etwas Schwung in diesen lahmen Haufen und spielt selbst mit Damenrasierer in der Hand und Handtuch auf dem Kopf den nackten Hintern von Schönling M‘Barek unter der Lehrerdusche an die Wand. Am Ende schafft jeder Depp das Abitur. Klar, jeder kann es zu was bringen, wenn nur irgendwer daran glaubt. Die Botschaft: Kinder, macht bloß brav euer Abi und habt Träume. Natürlich nur die „richtigen“ – Journalistin zum Beispiel. Oder Künstler. Nehmt doch am besten einfach das, was euch irgendwer sagt, was ihr werden solltet. Der Rest wird sich schon durch glückliche Zufälle ergeben. Für den amerikanischen Traum musste man noch arbeiten. Für den deutschen offenbar nicht.