Es könnte alles so einfach sein

DOK.fest München: In den Filmen, die Frauen ins Zentrum stellen, geht es erstaunlich oft um deren Körper. Warum ist das so?

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Maresa Sedlmeir

aufgewachsen im Fünfseenland, Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaft an der LMU. Seit dem 9. Lebensjahr im Synchronstudio gefangen, spricht u.a. bei Game of Thrones, Good Girls, Miracle Workers sowie div. Hörspiele und Werbung. Weitergequatscht bei M94.5 als Moderatorin und Redakteurin für Kulturthemen. Seit 2018 Studentin der Theater-Film und Fernsehkritik an der HFF München/August Everding Theaterakademie, wo sie im Juni 2019 das Theaterfestival UWE mitkuratiert und ausrichtet.

121 Filme zeigt das DOK.Fest dieses Jahr – und wieder einmal suche ich mir die Filme zum Rezensieren heraus, deren Protagonistinnen weiblich sind, die von Frauenschicksalen handeln, die Filmemacherinnen gedreht haben. Ich weiß gar nicht, ob ich bewusst entschieden habe, oder ob mir die Filme mit ihrer weiblichen Energie einfach so zugeflogen sind. Einen Film, das weiß ich, habe ich nur gewählt, weil mir der Titel so gut gefallen hat. Egal, ob das jetzt göttliche Fügung ist oder ob es einfach nur meine feministischen Scheuklappen sind  – mir ist beim Schauen dieser Filme etwas aufgefallen: In den meisten Fällen haben diese „Frauenfilme“ mit den Körpern der Frauen zu tun.

„The Self Portrait“, ein Film über eine anorexische Fotografin, und „Fat Front“, ein Film über Body-Positivity-Aktivistinnen, sind die beiden Extrembeispiele. Auch meine Stimmung nach den Filmen könnte unterschiedlicher nicht sein. Nach „Fat Front“ stand ich glücklich vor dem Spiegel, meine Speckrollen in der einen, einen Schokoriegel in der anderen Hand.

Nach „The Self Portrait“ aus Norwegen konnte ich kaum atmen und war froh, dass ich überhaupt essen kann. Lene Marie Fossen, die Künstlerin aus dem Film, konnte es nicht. Jahrelang wurde sie mit flüssiger Nahrung zwangsernährt, seit ihrem 10. Lebensjahr hat sie Magersucht. In die Pubertät ist sie nie gekommen. Ihr Gewicht war das Einzige, was sie kontrollieren konnte. In „The Self Portrait“ zeigen die Filmemacher*innen, wie Lene mit ihren Selbstportraits so etwas wie Berühmtheit erlangt – immer kommentiert von der Künstlerin selbst. Das ist die meiste Zeit melancholisch – schön, genau wie der Soundtrack von der Musikerin Susanne Sundfor. (Eine Kritik zu „The Self Portrait“ ist auf dieser Seite.)

Auch in „Walchsensee Forever“ geht es um Frauen, und tatsächlich weniger um ihre Körper. In „Was tun“ besucht ein Filmemacher ein Frauenhaus in Bangladesch, wo Frauen ihre Körper verkaufen. Vielleicht fällt mir das auch nur auf, weil ich meine These untermauern möchte. Trotzdem frage ich mich: Hört das jemals auf? Selbst dieser Text dreht sich nur um Frauenkörper. Aber vielleicht braucht es jetzt wirklich die extreme Beschäftigung, eine Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper und wie wir ihn sehen. In „Fat Front“ bezeichnen sich die vier Protagonistinnen als „Body Positivity“-Anhängerinnen. Dieser Film versuche „die Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Körper schön ist, auch wenn er nicht dem von der Gesellschaft diktierten Schönheitsideal entspricht“ – so steht es zumindest in Wikipedia.

Lustigerweise steht der Body Positivity-Trend im krassen Gegensatz zu Fitness-Apps und Frauenmagazinen  („Fett-Falle“ – „Kilo-Chaos“). Und auch mit diesem neuen Trend wird der Fokus auf den Körper der Frauen gerückt – nur mit „Selflove“ und Puderzucker bestreut. In den letzten Jahren wird deswegen auch immer wieder der Begriff der  „Body Neutrality“ verwendet. Das heißt: Wir sollten die Bedeutung unseres Aussehens reduzieren. Es könnt alles so einfach sein, isses aber nich!

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