Gemütlichkeit zwischen den Stühlen

Die außergewöhnliche Eröffnung des 35. Münchner DOK.fests im Deutschen Theater.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Nina Mohs

aufgewachsen in Aaachen und Wiesbaden. Studium der Theaterwissenschaft, Sprache, Literatur und Kultur an der LMU in München (2015-2018) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2018). Einige Jahre auf und hinter der Bühne des Theaters verbracht. In die Bereiche Filmverleih und Postproduktion eingetaucht, aber immer beim Schreiben geblieben. 3 Jahre als Redakteurin bei M94.5 Beiträge getextet, produziert und gesprochen. 2018 dann die Entscheidung für den Kulturjournalismus mit Schwerpunkt Film und Theater. 2019 das erste Mal das Theaterfestival UWE, mitorganisiert.

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Lässig, gemütlich, fast wie zu Hause auf dem Sofa – so lässt sich die DOK.fest-Eröffnung in München beschreiben. Und das, obwohl das Setting etwas ganz anderes verspricht. Denn auch wenn das Coronavirus die Zuschauer dieses Jahr von den Kinosälen fernhält, soll die Eröffnung des 35. Dokumentarfilmfestivals nicht weniger glamourös sein, erklärt Christina Wolf, die Moderatorin an diesem besonderen Abend. Mit dem prachtvoll beleuchteten Kinosaal des Deutschen Theaters ist das Setting für eine Glamour-Eröffnung auf jeden Fall gesetzt, die Band Joashino sorgt mit ihrem seltsam schönen Instrument aus Saiten, Knöpfen und Steckern für die passende musikalische Begleitung und eingespielter euphorischer Applaus für festliche Atmosphäre auf der Bühne. Doch so richtig glamourös fühlt es sich dann doch nicht an, vor leeren Rängen eine Eröffnung zu moderieren, ohne das Feedback und die Reaktion von eigentlich 1500 Zuschauern. Zumal das neue Publikum zu Hause vor dem Fernseher oder Laptop genau weiß, dass Christina Wolf in einen fast unbesetzten Raum spricht. Also heißt es: Runter von der Bühne und ab zwischen die Stühle!

Genauer gesagt zwischen die roten Kinositze, mit eineinhalb Meter Sicherheitsabstand zu dem ersten Gesprächspartner an diesem Abend: dem künstlerischen Leiter des DOK.fests, Daniel Sponsel. Auch für ihn ist es „strange“, diesen Beginn ohne den direkten Kontakt mit den Zuschauern zu zelebrieren, ohne zu wissen, wie die Reaktionen auf die Filme sind, ohne das „gemeinsame Lachen und gemeinsame Schweigen“. Und trotzdem soll vom DOK.fest so viel wie möglich erhalten bleiben und aus der analogen Welt in die Digitale übertragen werden, erzählt er. Konkret heißt das, dass das Programm, inklusive der Möglichkeit für die Branche zusammenzukommen im DOK.forum, erhalten bleibt, die Preise verliehen werden, die Filme ihre Bühne bekommen.

Aber das ist nur ein kleiner Teil aus dem Plausch, der sich zwischen Sponsel und Christina Wolf entwickelt. Dieses Plaudern, dieses zwischen den Kinositzen ein entspanntes Gespräch führen, macht diese Online-Festival-Eröffnung zu einer interessanten und ungewöhnlichen Veranstaltung, die sich von dem bloßen Nachahmen des Events unterscheidet. Es entstehen interessante Gespräche mit beispielsweise Anton Biebl, dem Kulturreferenten der Stadt München, der im Normalfall wahrscheinlich nur eine Rede halten würde und jetzt im Austausch mit Christina Wolf seine Perspektive über die jetzige Situation für Kultur und Kunst preisgibt.

Das Digitale in der digitalen Festivaleröffnung kommt dabei auch nicht zu kurz. Sei es ein Videogruß von Judith Gerlach, der Staatsministerin für Digitales, ein gemeines Winken der DOK-Crew über Webcam oder ein Videocall mit der Regisseurin Réka Szabó und der Hauptdarstellerin Éva Fahidi des Eröffnungsfilms „The Euphoria of Being“. Gemütlich aus ihrem eigenen zu Hause sprechen sie mit Christina Wolf in einem Gemisch aus Englisch und Deutsch über den Film, seine Botschaft und eben über die Sportübungen während der Coronazeit. Es wird viel erzählt, viel gesprochen – und trotzdem vergehen die Gespräche kurzweilig bis zum ersten DOK-Streaming. Hier, bei dieser Eröffnung, herrscht kein Zeitdruck, DOK.Fest @home gelingt der Eintritt in eine neue Dimension, wenn man sich sogar in einem leeren Kinosaal heimelig fühlt.

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