Eine Nachricht wie ein Erdbeben

Maria Sødahls „Håp / Hope“ ist eine erschütternde Erzählung vom Umgang mit einer tödlichen Krebsdiagnose. Bei der Berlinale ist der norwegisch-schwedische Film in der Panorama Sektion zu sehen.

Von Pablo Bücheler

Von Pablo Bücheler

Von Pablo Bücheler

David Pablo Bücheler

Eigentlich haben sich Anja (Andrea Bræin Hovig) und Tomas (Stellan Skarsgård) ihr gemeinsames Leben anders vorgestellt. Zwar sind beide erfolgreich im Beruf, ihre Beziehung ist aber schon seit Jahren erkaltet. Das wohlorganisierte Leben rund um ihre Patchwork-Familie bricht kurz vor den Weihnachtstagen allerdings jäh zusammen, als der wesentlich jüngeren Anja ein unheilbarer Hirntumor diagnostiziert wird.

In der ohnehin emotional aufgeladenen Atmosphäre im Kreise der Großfamilie müssen Anja und Tomas mit dem Schock umgehen, auf einmal mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert zu sein. Wie ein Erdbeben bricht die Diagnose über die beiden herein, spült Worte hervor, die seit langem hätten ausgesprochen werden müssen. Die Regisseurin Maria Sødahl erzählt davon nüchtern, aber mit großer Anteilnahme

Dass über den Weihnachtstagen ein so authentischer Schrecken liegt, ist auch durch das brillante Spiel von Andrea Bræin Hovig und Stellan Skarsgård begründet. Unglaublich nahbar zeigen sie das ständige Auf und Ab der Gefühle nach der Diagnose. Einerseits eine neu entdeckte Nähe, dann wieder Zweifel an der gegenseitigen Liebe. Schuld hat daran niemand. Klar ist nur, dass eigentlich beide von der Diagnose betroffen sind und Trost brauchen. Ständig unterwegs zwischen Krankenhaus und dem weihnachtlichen Zuhause, ringen Tomas und Anja zwischen Hoffnung und Verzweiflung mit der Angst und den Worten. Zunächst finden sie aber nicht einmal die richtigen, um den eigenen Kindern von der Diagnose zu erzählen. 

Mit welcher ungewöhnlichen Authentizität hier erzählt wird, liegt auch daran, wie die Regisseurin Maria Sødahl in „Håp / Hope“ ihre eigene Geschichte fiktional verarbeitet. Sødahl selbst wurde vor sieben Jahren Krebs im Endstadium diagnostiziert, sie hat ihn aber bis heute überlebt. Sie ist mit dem norwegischen Regisseur Hans Petter Moland verheiratet. Dass ausgerechnet Stellan Skarsgård den Part ihres Ehemanns übernimmt, liegt wohl auch daran, dass Skarsgard und Moland häufig zusammenarbeiten. Der schwedische Schauspieler trat zuletzt in Molands „Out Stealing Horses“ auf, der Film war 2019 bei der Berlinale zu sehen.

Man merkt dem Film an, dass Maria Sødahls sich hier etwas von der Seele geschrieben hat: „Dies ist meine Geschichte, so wie ich mich an sie erinnere!“, schickt sie im Vorspann voran. Aus ihren Erinnerungen wird im Film eine erschütternde Erzählung vom Umgang einer Familie mit einer tödlichen Krebsdiagnose, die durch großartige Schauspieler in jedem Moment nachfühlbar bleibt. Die Wucht, mit der Krebsdiagnosen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen treffen, könnte nicht eindrucksvoller gezeigt werden.

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