It’s a Kind of Magic

„Bohemian Rhapsody“ hat vier Oscars gewonnen: für den besten Schnitt, den besten Ton und den besten Tonschnitt. Außerdem wurde Rami Malek in der Rolle des Freddy Mercury als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Das macht den Film über die Band Queen so besonders: Er bringt einem die Sänger-Diva näher und nimmt die Musik ernst.

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Von Maresa Sedlmeir

Maresa Sedlmeir

aufgewachsen im Fünfseenland, Studium der Amerikanistik und Theaterwissenschaft an der LMU. Seit dem 9. Lebensjahr im Synchronstudio gefangen, spricht u.a. bei Game of Thrones, Good Girls, Miracle Workers sowie div. Hörspiele und Werbung. Weitergequatscht bei M94.5 als Moderatorin und Redakteurin für Kulturthemen. Seit 2018 Studentin der Theater-Film und Fernsehkritik an der HFF München/August Everding Theaterakademie, wo sie im Juni 2019 das Theaterfestival UWE mitkuratiert und ausrichtet.

Hautenge Jeans, Unterhemd, Nietengürtel. Den Moustache noch einmal mit der Nagelschere nachgeschnitten und zurechtgezupft. Ohne den Rest des Gesichts gesehen zu haben, weiß man sofort: Das ist Freddie Mercury.

Das musikalische Wunderkind, der legendäre Sänger der Band Queen, wird in dem Biopic „Bohemian Rhapsody“ von Rami Malek dargestellt. Mit falschen Zähnen, die der Schauspieler angeblich ein halbes Jahr lang trug, um sich daran zu gewöhnen.

Zu Beginn des Films von Bryan Singer und dem nicht genannten Dexter Fletcher ist Farrokh Bulsara, wie Mercury da noch heißt, Kofferpacker am Flughafen Heathrow. In seiner Freizeit besucht er die Konzerte der „Smiles“.  Als deren Leadsänger das Handtuch schmeißt, nutzt er seine Chance und steigt bei ihnen ein. So easypeasy ging das in Wirklichkeit zwar nicht. Aber etwas verdichtet ist das eben doch die Entstehungsgeschichte von Queen.

Und aus Farrokh Bulsara wird Freddie Mercury: Die Bulsaras sitzen am Esstisch, Freddies Band ist da, seine Freundin und ihr taubstummer Vater ebenfalls. Der dummerweise Lippenlesen kann und gerade zu Freddie rüberguckt, als der sagt, dass seine Tochter ein guter Fick ist. Sie essen Kuchen und unterhalten sich, es geht drunter und drüber. Farrokh verkündet, ganz nebenbei, dass er jetzt Freddie Mercury heißt.

Groß diskutiert wird nicht darüber. Achselzucken, dann ist das jetzt eben so. Eine große Stärke des Films: vermeintlich wichtige Dinge nie groß aufzuladen. Weniger Pathos, mehr Lässigkeit. Und trotzdem, oder gerade deswegen, entfaltet sich der Queen-Zauber in diesem Film so gut. Queen. Die Band im Schatten des begnadeten Freddy Mercury. Brian May, Roger Taylor und John Deacon sind im Film kumpelhafte, bodenständige Musiker. Das mag daran liegen, dass May und Taylor Koproduzenten des Films sind.

Vermutlich zeigt „Bohemian Rhapsody“ deswegen nicht nur den großen Freddie Mercury, sondern auch seine Familie – die Band. Eine Gruppe talentierter Musiker, die sich zanken, aber gleichzeitig beflügeln und anspornen. Einmal kommt Freddy betrunken und viel zu spät zur Probe, es gibt Streit. Aber eine zündende Idee lässt die vier ihre Zankereien vergessen und gemeinsam Musik machen. Das hört sich so banal an, aber es funktioniert. Gegenschnitte vom Probenraum zu Konzerten und Auftritten geben dem Ganzen ein atemloses Tempo. It’s a Kind of Magic. Im Zentrum steht die Musik: Fast alle Songs werden im Film komplett ausgespielt. Wie mutig! „Bohemian Rhapsody“ hat die drei Oscars für den besten Schnitt, den besten Tonschnitt und den besten Ton gewonnen.

Im Gegensatz zu den Musikszenen steht Mercurys Geschichte.  Die exzentrische Diva. Umtriebig, drogensüchtig, alkoholkrank. Doch das wird nur angedeutet. Etwas Koks und leere Bierflaschen auf dem Tisch, das war’s. Nicht mutig, sondern fad. „Bohemian Rhapsody“ ist in dieser Hinsicht zu brav und zu schwarz-weiß. Mercurys wilde Jahre in München erinnern im Film eher an Nachmittage im Altersheim als an Sex, Drugs & Rock ʼnʼ Roll.

Trotzdem sieht man auch diese etwas langweiligen Szenen gern, was an Rami Malek liegt. Das Glitzern und das Zucken in seinen Augen, wenn er von der Bühne ins Publikum blickt. Die exakte Präzision der mercuryʼschen Performance, die nie übertrieben oder nachgemacht aussieht. Die Natürlichkeit, die er trotz opulenter Outfits an den Tag legt. Dafür hat er sehr zurecht den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen.

Es wäre leicht, die tragische Figur des Freddy Mercury auch tragisch zu spielen. Aber Malek verleiht ihr eher eine ernsthafte Komik, wodurch sich die Dramatik viel subtiler entfaltet. Selten hat man einen Schauspieler gesehen, dem es gelingt, so nah am Original zu sein und gleichzeitig eine ganz eigene Figur zu schaffen. „Ich bin genau der Mensch, der ich immer sein sollte“, sagt Freddy einmal zu seiner (Ex)-Freundin Mary. Und das glaubt man ihm.

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