Von der Trauer und der Liebe

Ein Geschwisterpaar erweist in einem verlassenen Haus der verstorbenen Mutter die letzte Ehre. Mateo Bendesky in seinem Film „Miembros de la familia“, der in der Panorama-Reihe auf der Berlinale zu sehen ist, eine märchenhafte Geschichte, die Trauer und Coming of age kunstvoll miteinander verbindet.

Von David Pablo Bücheler

Von David Pablo Bücheler

Von David Pablo Bücheler

David Pablo Bücheler

Der 17-jährige Luca und seine wenige Jahre ältere Schwester Gilda stehen im diesigen Morgengrauen an einem verlassenen Strand. In der Hand hält Luca eine kleine Schachtel, aus der er schließlich eine abgetrennte Hand herausnimmt. Er wirft sie mit aller Kraft, die dieser schmächtige kleine Junge aufbringen kann, ins Wasser. Weit ist das nicht.

Es dauert nicht lange, bis das Körperteil wieder angeschwemmt wird. Luca und Gilda wird es noch einige Anstrengung kosten, die sterblichen Überreste ihrer Mutter und die Trauer um sie loszuwerden. Nach ihrem Tod ist das Geschwisterpaar für ein paar Tage in das verlassene Haus nahe einer Kleinstadt an der argentinischen Atlantikküste gezogen, in dem die Mutter zuletzt gewohnt hatte. Sie wollen ihr damit die letzte Ehre zu erweisen.

Der Regisseur Mateo Bendesky stößt den Zuschauer zu Beginn des Films „Miembros de la familia“ in eine Abfolge surrealer Bilder und Handlungen: eine abgetrennte Hand. Dann ein Loch, das sich im Sandstrand öffnet und Luca auffordert hineinzukriechen. Die Welt des Jenseits scheint sich für Luca und Gilda mit der Welt des Diesseits zu verbinden. Erst nach und nach lüften sich die Geheimnisse um die beiden Protagonisten. Vor allem nachdem sie wegen eines Busstreiks länger als geplant in der Kleinstadt bleiben müssen.

Bei Partys, Tarot oder Fitness am Strand treten immer mehr Personen in den Mikrokosmos der beiden ein. Gilda sucht durch Meditation und Kartenlegen nach Orientierung. Luca entdeckt seine Faszination für Bodybuilding. Mit großen Augen sieht er anderen Jungs beim Trainieren zu und fühlt sich immer mehr von ihnen angezogen. Der gewaltsame Tod der Mutter, die verwirrende Zeit des Erwachsenwerden. Alles scheint konfus und unsicher zu sein in Gilda und Lucas Welt.

In seiner stillen, märchenhaften Erzählung verwebt der Regisseur Bendesky diese beiden Gefühlswelten auf faszinierende Weise. Trotz der Surrealität mancher Bilder wirkt alles authentisch und nachfühlbar. Trauer und Adoleszenz – die Unsicherheit ist der große gemeinsame Nenner in diesem Film, der auf der Bildebene dazu führt, dass sich Traumwelt und Wirklichkeit, Diesseits und Jenseits überschneiden.

Mit Mateo Bendeskys „Miembros de la famiila“ legt das argentinische Arthouse-Kino einen weiteren Beweis dafür vor, dass manche Wahrheiten eher mit Bildern als mit vielen Worten aufgezeigt werden können.

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