Berliner Kulturinventar

Lokalkoloriert in der Panorama-Reihe der Berlinale: Annekatrin Hendel porträtiert in  ihrem Dokumentarfilm „Schönheit & Vergänglichkeit“ den Fotograf und Berghain-Türsteher Sven Marquardt.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

„Mister Berghain“, der „Berghain-Bewacher“, „der härteste Türsteher Berlins“. Sven Marquardt hat viele Namen. Denn wer Zutritt zu der berühmtesten Techno-Höhle Deutschlands haben will, muss erstmal an dem knallharten Marquardt vorbei. Der bullige, volltätowierte und mit Piercings übersäte Türsteher gehört quasi zum Inventar des Berghains und sorgt mit seinen harten Abweisungen immer wieder für Schlagzeilen. Aber was viele der verschmähten Partygäste nicht wissen, wenn sie aufgrund eines einfachen Kopfschüttelns den Traum von einer Nacht im Berghain begraben müssen und fluchend davonlaufen: Sie standen nicht vor einem einfachen Türsteher Schlange, sondern vor einem waschechten Künstler.

Sven Marquardt ist Fotograf. Bereits in der DDR hat er mit seinen Aufzeichnungen die Subkultur des Ostens dokumentiert, hat die Punkszene, von der er selbst ein Teil war, in seinen Fotografien festgehalten. Jetzt, viele Jahre später, konzentriert Marquardt sich erneut auf seine Kunst. Und genau an diesem Punkt trifft die Regisseurin Annekatrin Hendel in ihrem Dokumentarfilm „Schönheit & Vergänglichkeit“ auf den Berliner Künstler. Sie begleitet ihn zu den Vorbereitungen seiner Vernissage, zu seiner Seminarausstellung an der Kunsthochschule und zu seinen Fotoshootings an seinem Stammplatz, dem Berghain.

Ihr Fokus: Marquardts Vergangenheit, seine früheren Werke aus der Betrachtung der Gegenwart. Was hat sich verändert, wie hat sich seine Kunst verändert, wie haben sich seine Modelle verändert? Fragen, auf die Marquardt oft selbst keine Antwort weiß, sie mit kecken Antworten in tiefstem Berlinerisch abwinkt, denn seine Kunst ist intuitiv.

Hendel schafft es selten, in den Einzelgesprächen an Marquardt heranzukommen, ein wirkliches Gespräch oder ein Erzählen seitens des Künstlers kommt kaum zustande. Erst wenn sie Dominique Hollenstein, oder „Dome“, eine jahrelange Freundin und Marquardts Model, mit in das Gespräch bringt, entstehen private Momente. Es wird über die Jugend schwadroniert, über Robert, ein weiteres Model, in den alle verliebt waren, gesprochen von der Zeit als Punk, von dem Druck durch den Staat erzählt und über die eigene Vergänglichkeit nachgedacht. In dem feengleichen Zimmer von Dome, in dem kleine Vogelfiguren von der Decke hängen, Blumen an jeder Ecke stehen, schnörkelige Möbel in der Sonne leuchten, phantasieren die beiden von ihrem Anderssein, von ihrer Blase, in der sie so lange glücklich waren.

In diesen Moment bekommt „Vergänglichkeit & Schönheit“ einen Fokus, ein Konzept wird erkennbar und man kommt diesem nach außen so hart und distanziert wirkenden Künstler näher. Doch diese Momente, in denen Hendel sich für einen Weg, eine Richtung in ihrem Dokumentarfilm entscheidet, sind rar. Oft wirken die Szenen unentschlossen. Soll es um Vergänglichkeit gehen? Soll es um Kunst gehen? Soll es um Marquardt gehen? Hendel schafft es nicht, die angeschnittenen Themen zusammenzuführen. Am Ende gibt es zu wenig von Schönheit und Vergänglichkeit, zu wenig von der Kunst und zu wenig von dem Phänomen Sven Marquardt.

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