Undercover in Teheran

Der israelische Regisseur Yuval Adler lässt Diane Kruger und Martin Freeman Undercover in „The Operative“ für den israelischen Geheimdienst Mossad ermitteln. Der Spionagethriller läuft außer Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale.

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Von Kevin Scheerschmidt

Kevin Scheerschmidt

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft B.A. (2013-2018) in Frankfurt am Main und seit 2018 Theater-, Film- und Fernsehkritik in München. Berufung: Film! Motto: Filme müssen wenn möglich auf der großen Leinwand konsumiert werden. Egal ob kleinster Independent oder größter Blockbuster, jeder Film hat das Potential großartig sein zu können. Jeder Film verdient eine Chance.

Seit einem Jahr ist die deutsch-britische Agentin Rachel (Diane Kruger) untergetaucht. Für den Mossad, den israelischen Geheimdienst, war sie zuvor als Undercover-Ermittlerin tätig. Sie sollte in Teheran Informationen über das iranische Atomprogramm sammeln und einen Verkauf von defekten und mit Peilsendern ausgestatteten Atomwaffen in die Wege leiten. Ihre Ansprechperson war der Brite Thomas (Martin Freeman), der aus Deutschland für den Mossad arbeitet.

Der Plan bestand darin, dass sie, als Sprachlehrerin getarnt, Kontakt zu einem Firmenchef aufnehmen, dessen Vertrauen gewinnen und dadurch Zugang zur Firma bekommen sollte. Dabei weiß der Film nicht zu überraschen und schwimmt in typischen Filmklischees, die es so in vielen anderen Spy-Thrillern auch gibt. Und meistens besser umgesetzt.

Denn natürlich verliebt sich die Undercover-Agentin in die Zielperson und schon bald wird aus dem Das-Vertrauen-gewinnen eine ernsthafte Beziehung. Die Loyalität zum Arbeitgeber steht dadurch in Frage. Doch so richtig involviert wird der Zuschauer in die Halb-Fake-Halb-Echt-Beziehung zwischen Rachel und Farhad (Cas Anvar) nicht. Und so fiebert man kaum mit Rachel, als sie sich entscheiden muss – für die Arbeit oder die Liebe.

Natürlich gibt es auch die bösen Chefs beim Geheimdienst, die sie schließlich eliminieren wollen und den einen guten Mitarbeiter, der dagegen arbeitet und sie beschützt. Als Zuschauer erfährt man jedoch zu wenig über die Personen, um sich irgendwie um sie zu sorgen. Dafür bezeichnend ist Rachels Beziehung zu ihrem Vater. Sie hatte nämlich gelogen in Bezug auf ihre Eltern und Thomas erzählt, sie sei adoptiert. Das führt zwar zu einem Vertrauensbruch zwischen der Agentin und ihrem Vorgesetzten, aber Informationen über die wahren Hintergründe zu ihrem Vater oder warum sie gelogen hat, gibt es keine. Rachel erzählt außerdem, dass Teheran für sie zu einem richtigen Zuhause geworden sei. Ein Gefühl, dass sie in Deutschland nie hatte. Aber intensiver wird darauf auch nicht eingegangen. Die vorhandenen Grundlagen, um den Zuschauer auch emotional abzuholen, werden nicht im geringsten ausgeschöpft.

Der Fokus von „The Operative“ liegt auf der Geschichte an der Oberfläche: Wie Rachel zum Geheimdienst kam, für diesen ermittelte und schließlich in Ungnade fiel. Der Regisseur Yuval Adler schafft es kaum, den Stress und Druck des Doppellebens einzufangen. Durch die nicht-lineare Erzählweise wird früh klar, dass Rachel aus der Undercover-Ermittlung lebend hervorgegangen ist. Spannung kann deshalb kaum aufkommen.

In einer der noch interessantesten Szenen muss Rachel mit einem Team von zwielichtigen Schmugglern Bomben über die iranische Grenze nach Teheran schaffen. Das iranische Militär kommt ihnen in die Quere und sie muss sich in einem Hohlraum unter dem Kofferraum des Wüstenjeeps verstecken. Diese brenzlige Situation nutzt ein Schmuggler gnadenlos aus und zwängt sich zu ihr. In einem Moment, in dem absolute Stille gefordert ist, um vom iranischen Militär nicht gefasst zu werden, wird sie in der nicht zu entkommenden Enge sexuell bedrängt, ohne wirklich etwas dagegen tun zu können. Hass und Unverständnis treffen hier auf Ekel und Schock. Doch anstatt traumatisiert aus der Szene herauszugehen, schreit Rachel anschließend herum und spielt sich wütend auf. Später folgt ein Autounfall, aber damit ist die Thematik abgeschlossen, eine tiefere Beschäftigung bleibt auch hier aus. Während des gesamten Films fühlt es sich so an, als würde kaum etwas auf dem Spiel stehen.

 „The Operative“ ist eine deutsch-französisch-israelische-amerikanische Koproduktion. Das gut gelungene und glaubhafte Zusammenspiel der verschiedenen Sprachen – Englisch, Deutsch, Hebräisch und Farsi – ist allerdings das einzige, was aus dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit wirklich in Erinnerung bleibt.

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