Es lebe der Trash

Oliver Kalkofe und Peter Rütten feiern wieder die schlechtesten Filme aller Zeiten.

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Von Nina Mohs

Ein kleines, völlig überfülltes Studio. Hai-Kuscheltiere, Poster und Figuren stapeln sich in allen Ecken des Raumes. In der Mitte auf zwei alten abgenutzten Sesseln sitzen Oliver Kalkofe und Peter Rütten. Hinter all dem Prötsch sind sie nur an ihren riesigen Haicocktailgläsern mit pinken Schirmchen zu erkennen, die sie alle fünf Minuten ansetzen. Aber das Studio ist nicht ohne Grund bis zur Decke mit Haien vollgestopft. Kalkofe und Rütten wollen den Trash-Klassiker „Sharknado“ besprechen. Ein Film, in dem ein Tornado aus billig animierten Haien durch eine Stadt wütet und unzählige Zivilisten mit in den mörderischen Raubtierstrudel zieht.

Oliver Kalkofe und Peter Rütten moderieren und gestalten die Tele 5-Sendung „Der SchleFaZ“, kurz für: Der schlechteste Film aller Zeiten. Seit 2013 geben der „Mattscheibe“-Moderator und sein Kollege Rütten Trash-Filmen in ihrem nächtlichen Format eine Plattform. Das Konzept ist eigentlich recht einfach, ein ausgewählter Trash-Film, wie zum Beispiel „Sharktopus vs. Pteracuda“, ein Horrorfilm über einen Hai-Oktopus und eine Barrakuda-Dinosaurier-Kreuzung, wird von Kalkofe und Rütten anmoderiert und kommentiert. Zu jedem dieser genialen Ergüsse der Filmkunst gibt es außerdem ein passendes Trinkspiel, bei dem der Zuschauer zu wiederkehrenden Motiven im Film trinken soll. Bei dem Kunst-Film „Daniel der Zauberer“ mit Daniel Küblböck in der Hauptrolle passiert das zum Beispiel bei jedem Outfitwechsel – in diesem Fall alle zwei Minuten.

Der Hinweis, wann getrunken werden muss, wird in einer Bauchbinde unter dem Film eingeblendet. Diese dient aber nicht nur der Erinnerung an den bereitstehenden Cocktail. Hauptsächlich besteht ihr Zweck darin, Kommentare zu besonders absurden und schlechten Szenen einzublenden. Zwischendurch treten Rütten und Kalkofe wieder auf und philosophieren ironisch über Figuren, Kostüme und misslungene Spezialeffekte. Natürlich heben die Moderatoren dabei nicht die Qualität und die Stärken der Filme hervor, durch die Trinkspiele und das Sich-Lustig-Machen wird der Trash als solcher von Kalkofe und Rütten zelebriert. Es sind die unfreiwilligen oder eben ganz absichtsvollen Fehler, die Filme wie „Jack Frost 2“ oder „Frogs – Killer aus dem Sumpf“ so unterhaltsam machen. Faszination Trash. „SchleFaZ“ macht sich diese mit einem cleveren Konzept, zwei unterhaltsamen Moderatoren und dem ganz eigenen trashigen Look zu Nutzen – und das funktioniert wunderbar.

 

Mittlerweile gibt es sieben Staffeln „SchleFaZ“, die immer im Sommer und um die Adventszeit nachts bei Tele5 laufen. Der anfängliche Geheimtipp ist nicht mehr ganz so geheim und es gibt sogar schon Live-„SchleFaZ“-Shows. Eigenes Merchandise wie passende Cocktailbücher oder T-Shirts werden mittlerweile von Tele 5 vertrieben. Besonders die Sendungen der Hai-Katastrophenfilm-Reihe „Sharknado“ erfreut sich großer Beliebtheit und ist ein wesentlicher Grund, warum das „SchleFaZ“-Format so gut funktioniert. Der Trash-Markt existiert, Tele 5 hat die Chance ergriffen – und die Film-Verleihe wissen das Format zu nutzen. So ist es kein Wunder, dass Kalkofe und Rütten den sechsten Teil der Hai-Film-Reihe in Frankfurt präsentiert haben. Auf der einen Seite ist es natürlich erfreulich, dass  „SchleFaZ“ so gut ankommt, aber auf der anderen Seite geht der anfängliche kleinere Rahmen der Sendung verloren und die ironischen Kommentare, besonders zu der bekannten Hai-Reihe, dienen eher zu Werbezwecken und werden mit tollen Besuchen am Set verbunden. Aber vielleicht muss man das als Meta-Trash sehen.

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