Sterne gehen auf, Sterne gehen unter

„A Star Is Born“: Nun hat auch Bradley Cooper die Liebesgeschichte zweier Musiker verfilmt, deren Karrieren sich gegenläufig entwickeln. Mit sich selbst und Lady Gaga in den Hauptrollen. Wie schön.

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Schon bevor er die Bar betritt, ist Jackson Maine sturzbetrunken. Sein Fahrer lässt den Country-Sänger nach einem Konzert aussteigen. Drinnen ist Drag-Queen-Friday. Sofort wird Jackson der nächste Drink spendiert. Auf der Bühne singt Ally „La vie en rose“. Nicht so puristisch wie einst Edith Piaf, sondern lasziv und exzessiv. Sie ist kein Transgender, sondern eine Frau mit gefärbten Haaren und aufgeklebten Augenbraunen. Aber in ihrer Künstlichkeit ist Ally ganz bei sich. Jackson lädt sie ein, gemeinsam durch die Nacht zu ziehen. Ally – hauptberuflich Kellnerin – ist sprachlos gegenüber dem bekannten Musiker. Aber als er ihr in der Garderobe sanft eine Augenbraue abzieht, willigt sie ein. Auf einem einsamen Parkplatz singt Ally dem Sänger ein selbstgeschriebenes Lied. Am nächsten Morgen geht es für sie wieder nach Hause und zur Arbeit.

Viermal schon wurde die Liebesgeschichte um ein Star-Paar verfilmt. Jetzt von und mit Bradley Cooper und mit Lady Gaga in den Hauptrollen. Der eine Star ist am Auf- und der andere am Untergehen. Aus dieser Konstellation, die beide Seiten des Berühmtseins zeigt, ergibt sich die Tragik der Liebesgeschichte „A Star Is Born“. Der abgehalfterte Jackson erkennt Allys Talent, ermutigt und fördert sie. Andersherum erweckt sie ihn wieder zum Leben. A Star Is Reborn. Doch die gemeinsame Energie hält nicht an. Jackson verfällt in seinem Alkoholismus. Ally entfaltet sich kreativ und wird vom Publikum gefeiert.

Auch wenn der Inhalt nicht neu ist, überzeugt Coopers Regiedebüt durch das intensive Spiel der Darsteller, meistens in Close-ups von Kameramann Matthew Libatique. Cooper selbst nuschelt Lied- und Sprechtexte in seinen Vollbart hinein. Seine glasigen Augen verschwinden in Momenten des Schmerzes fast vollständig. Lady Gaga wiederum gelingt es, Stilisierung und Natürlichkeit gleichzeitig zu verkörpern. Mal unaufgeregt, mal hysterisch. Mal liebevoll, mal dominant. Die beiden mögen verschieden sein, aber sie komplementieren sich umso mehr. Am Ende ist Ally es, die nicht nur Erfolg hat, sondern auch Jackson mit all seinen Fehlern liebt und sich teilweise aufgibt. Sie sagt eine Tournee ab, weil ihr Manager ein gemeinsames Album ablehnt. Zu schlechte PR. Sie macht Jackson keinen Vorwurf. Er fürchtet, ihr keinen gleichwertigen Liebesbeweis liefern zu können. Erst als Sterne im Musiker- und Cineasten-Himmel können sie gemeinsam funkeln.

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