Spiel um dein Leben und deine Welt

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Steven Spielberg hat in seinem neuen Film „Ready Player One” sichtlich Spaß, die Welt vor ihrem eigenen Untergang zu retten.

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Willkommen im Jahr 2045! An den VR-Brillen wurde weiter herumexperimentiert, so dass jeder in der Welt des Multiplayer-Spiels OASIS wahlweise Batman, Godzilla oder King Kong über den Weg laufen kann. Soweit man das möchte … Andererseits haben sich die Wirtschaft und die Politik nicht weiter um die Bevölkerung und die Umwelt geschert. Die Phantasie – das Spiel – als Ablenkung oder sogar als Verdrängung des eigenen Untergangs?

Steven Spielberg übersetzt mit viel Elan den 2011 erschienen Science-Fiction-Roman von Ernest Cline für die Großleinwand. Seitdem die VR-Brillen und -Softwares auf dem Markt sind, prophezeien Filmemacher entweder den Untergang ihres Mediums oder einen Aufstieg dank neuer Möglichkeiten. Spielberg liefert nun mit „Ready Player One“ einen relativ traditionellen Beitrag zur virtuellen Realität. Technisch erscheint der Film in 3D, inhaltlich geht es um einen Auserwählten (weiß, männlich und heterosexuell), der die reale wie die künstliche Welt vor der Übernahme durch einen Konzern rettet, nachdem der verstorbene OASIS-Erfinder eine Schnitzeljagd um sein Erbe veranstalten lässt. Der Film ist eine Achterbahnfahrt aus Zitaten der Popkultur. Es geht „Zurück in die Zukunft“, in die Disco von „Saturday Night Fever“ und in das Overlook-Hotel von Stanley Kubricks „Shining“.

Ganz in der Logik vom Spielberg’ischen Kosmos siegen am Ende Freundschaft und Liebe über die Machtgier. Und zwar im Spiel und im Leben. Der menschenscheue Erfinder hat OASIS für Teams konzeptioniert. Hier zeigt Spielberg ein vielfältigeres Bewusstsein als für seine eindimensionale Hauptfigur, eine gemischtfarbige und -geschlechtliche Gruppe von Teenagern, die dem Auserwählten zur Seite stehen. Weil am Ende aber die kindliche Freude am Spiel nicht zu einem Verbot führen soll, kommt es zu einem ironisch oder seltsam ernst gemeinten Kompromiss: OASIS darf weiterbenutzt werden, aber mindestens zweimal die Woche sollte man die VR-Brille abnehmen und mit seiner Freundin kuscheln. Auf in die Zukunft!