Berlinale-Kurzkritik: „Unsane“

Berlinale 2018. Filme im Wettbewerb: „Unsane“ von Steven Soderbergh, der außer Konkurrenz läuft.

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Single und vollbeschäftigt: Sawyer Valentini ist eine junge Frau, die genervt mit ihren Kunden telefoniert, die ihre Kollegen anschnauzt und die Salat kauend mit ihrer Mutter skypt. Sawyers nächstes Tinder-Treffen läuft mehr schlecht als recht. Und es endet katastrophal, als sie den Typen wegstößt, anschreit und sich selbst im Bad einsperrt.

Sie schwankt zwischen Kontrolle und Angstanfällen, weswegen sie freiwillig einen Psychiater konsultiert, aber unfreiwillig in einer Anstalt landet. Regelmäßig bekommen die Patienten dort ihre Tabletten von einem Arzthelfer verabreicht – ein früherer Stalker von Sawyer?! Die Anstalt entlässt sie erst, wenn sie geheilt ist – und, viel wichtiger: wenn ihre Versicherung zahlt.

Steven Soderberghs neues Projekt ist ein kleiner, grimmiger Horrorfilm, der komplett mit iPhone gedreht wurde und trotzdem auf der Leinwand dank der hohen Bildauflösung nie billig wirkt. Stattdessen wird Sawyers Klaustrophobie in den verbogenen Close-ups spürbar. Soderbegh nimmt sie als widersprüchliche Frau ernst (dafür werden ihre Gegenspieler leider zu platt psychologisiert) und rechnet gleichzeitig mit Amerikas Versicherungssystem ab. Ihm ist im Low-Budget-Format großes Genrekino gelungen, das es auf einem Arthouse-lastigen Filmfestival wie der Berlinale tendenziell nicht einfach hat.

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