On the Road to 9/11

Die Serie „The Looming Tower“, vorgestellt bei der Berlinale 2018, ergründet als spannender Thriller die Rivalität zwischen FBI und CIA, während der Terrorismus von Osama Bin Laden und al-Qaida aufkommt und sich verschärft.

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Wenn man als Erstklässler 9/11 erlebt hat, dann kann man sich noch an die Panik und Fassungslosigkeit der Erwachsenen erinnern. Das Datum wurde zum Startschuss für die Zeiten des islamistischen Terrors erklärt. Doch ganz so überraschend kam es nicht zur Katastrophe. Die von dem amerikanischen Streamingdienst Hulu produzierte und im Ausland von Amazon Video vertriebene Serie „The Looming Tower“ des Dokumentarfilmers Alex Gibney basiert auf dem gleichnamigen, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Sachbuch von Lawrence Wright (deutscher Titel: „Der Tod wird euch finden“) und erzählt die dunkle Vorgeschichte des Anschlags.

Es beginnt in den 1990er-Jahren während der Präsidentschaft von Bill Clinton. Schauplätze sind unter anderem Amerika, England, Afghanistan, Pakistan, Tansania, Kenia und Albanien – Anzeichen für die internationalen Verflechtungen der Terrorzellen im Untergrund. Diese Unübersichtlichkeit ist die größte Herausforderung für die CIA und das FBI, was zum gegenseitigen Machtkampf führt. Jeff Daniels als FBI-Agent John P. O'Neill rückt als positiver Protagonist in den Mittelpunkt, wobei er mit seiner geschiedenen Ehe und seinen zwei Affären zumindest im Privaten nicht allzu positiv wegkommt. Auch sein amerikanisch-libanesischer Kollege Ali Soufan (Tahar Rahim) verpasst das eine oder andere Date. Die Liebesszenen dienen aber nur als Abwechslung in diesem Spionage- und Kriegsthriller. Zu verschwörungstheoretisch wird es in den ersten zwei Episoden zum Glück nicht. Stattdessen fiebert man mit, wenn ein Anschlag in Nairobi stattfindet oder wenn die Twin Towers bedeutungsschwanger im Hintergrund auftauchen. Der Ausgang der Geschichte ist klar, doch der Weg dorthin bietet genügend (realen oder spekulierten) Stoff für mindestens eine Staffel.

 

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