Berlinale-Kurzkritik: „7 Tage in Entebbe“

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Berlinale 2018. Filme im Wettbewerb: „7 Tage in Entebbe“ von José Padilha, der außer Konkurrenz läuft

Von Benedikt Mahler

Von Benedikt Mahler

Benedikt Mahler

Benedikt Mahler (*1990 in Memmingen) wuchs mit sechs älteren Geschwistern im Allgäu auf. Nach dem Abitur assistierte er am Landestheater Schwaben, bevor er in München Kunst- und Theaterwissenschaft, Ethnologie und Philosophie studierte. Er lernte den Kulturbetrieb der Münchner Kammerspiele und der Bayerischen Staatsoper kennen, wo er als Regieassistent engagiert war. Als Kulturjournalist und Kritiker schreibt er u. a. für die Süddeutsche Zeitung Filmbesprechungen und Literaturkritiken. Seit Oktober 2017 ist er Redaktionsleiter des Hörfunkformats „Cult auf die Ohren“, das in Kooperation mit dem freien Radio München zweimal monatlich produziert wird.

Gleich zu Beginn arrangiert der Regisseur José Padilha eine besonders üppige Szene. Ein Vorhang hebt sich, zum Vorschein kommen Tänzer in jüdisch-orthodoxen Gewändern, im Stuhlkreis sitzend. Dazu erklingen bassverwöhnte Rhythmen zu hebräischen Sprechgesängen. Mit einem Mal springt einer ganz links auf, wirft den Hut hinter sich und gibt den Impuls, zu einer „La Ola“-Welle an seine Kompanie weiter. Alle stehen, nur eine Rothaarige fällt zu Boden. Schließlich schiebt sich eine Texttafel ins Bild: Juli 1976. Zwei Palästinenser und zwei Deutsche entführen ein Flugzeug der Air France, um Gleichgesinnte aus israelischen und deutschen Gefängnissen freizupressen. Manche nennen sie Freiheitskämpfer, andere Terroristen.

Padilha verhandelt einen Stoff, der schon oft verfilmt wurde. Die Flugzeugentführung, die auf dem Terminal in Entebbe/Uganda einen verhältnismäßig unblutigen Ausgang fand, ist für den Regisseur allerdings von besonders aktueller Bedeutung. Er erzählt die Geschichte multiperspektivisch aus der Sicht der Täter, der Opfer und der Politiker. Viele der Ereignisse von damals sind bis heute ungeklärt. „7 Tage in Entebbe“ ist oft eindeutiger als die Faktenlage, ohne dabei wertend sein zu wollen. Er möchte vor allem Menschen darstellen, die von der Überzeugung getrieben sind, das Richtige zu tun. Dabei drängen sich von allen Seiten Wiedersprüche auf.  Als die Entführer, also auch die beiden Deutschen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) beginnen, die jüdischen Passagieren von den übrigen zu separieren, werden sie als Nazis bezeichnet. Das wühlt den linksgesinnten Böse auf, glaubt er doch als Revolutionär gegen Faschismus und Unterdrückung zu kämpfen. Auf der anderen Seite die israelische Regierung. Sie will Haltung zeigen, unter keinen Umständen mit den Entführern verhandeln. Doch wie viel Menschenleben darf diese Haltung kosten?

Trotz der vielen Handlungsstränge will „7 Tage in Entebbe“ kein aufklärerisches Drama sein, sondern unbedingt ein Thriller. Der Film protzt mit hochtrabenden Effekten und aufwändigem Dekor. Er will historisch weitgehend korrekt sein und künstlerisch überzeugen, wie etwa die schöne, aber bedeutungslose Tänzerszene zeigt. Diesen großen Ambitionen kann er aber ob seiner Unentschlossenheit kaum gerecht werden.