• Startseite
  • Film
  • Berlinale-Kurzkritik: „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“

Berlinale-Kurzkritik: „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“

201816397_1_IMG_FIX_700x700.jpg

Berlinale 2018. Filme im Wettbewerb: „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ von Gus Van Sant

Von Michael Kohl

Von Michael Kohl

Michael Kohl

Studium der Kunst- und Kulturgeschichte (2014-2017) und Theater-, Film- und Fernsehkritik (seit 2017). Schwerpunkte: Bildende Künste und Film. Als Kunststudent, Cineast, Theatergänger und als nebenberuflicher Statist an der Bayerischen Staatsoper kenne ich beide Seiten des Münchener Kulturlebens: das Arbeiten für die und das Erleben von Kunst.

Haha! Zwei besoffene Freunde rasen mit einem VW-Käfer durch die Nacht. Bäh! Schon fliegt die Kotze aus dem Fenster. Cut! An der nächsten Tankstelle wird sie gleich wieder weggespritzt. Weiter geht’s!

Der Unfall lässt nicht lange auf sich warten. Mit 21 Jahren ist der Alkoholiker John Callahan querschnittsgelähmt. Und bringt erst danach sein Leben langsam auf Vordermann.

Gus Van Sant hat die Lebensgeschichte des Cartoonisten John Callahan unter anderem für Amazon adaptiert; die Figur reiht sich zwischen Strichern, Amokläufern, Menschenrechtsaktivisten und Selbstmördern in die Außenseiterrollen ein, die Van Sants Filme bevölkern. Im Grunde ist „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ ein klassischer Selbstheilungsfilm, in dem nicht nur ein Alkoholiker zum Antialkoholiker, sondern auch ein Egoist zum Altruisten wird. Doch mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle kann man in den ungewöhnlichsten Situationen gleichzeitig lachen und weinen. Die Entdeckung seiner „reflexiven Erektion“, aber auch der schmerzhaften Erinnerung an seine leibliche Mutter, die ihn als Kind zur Adaption freigegeben hat, scheinen nie ein Widerspruch der Genres Komödie und Drama zu sein. Höchstens ein Widerspruch von Callahans Charakter. Seine Cartoons, die auf der Leinwand zum Leben erweckt werden, sind genauso böse und traurig.