Berlinale-Kurzkritik: „Utoya – 22. Juli“

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Berlinale 2018, Filme im Wettbewerb: „Utoya – 22. Juli“ von Erik Poppe. Eine Kurzkritik

Von Tatjana Michel

Von Tatjana Michel

Tatjana Michel

Tatjana Michel studierte Psychologie in Salzburg, Hong Kong und München und legte während dieser Zeit ihren Schwerpunkt vor allem auf das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben. Danach wandte sie sich der Kulturkritik zu. Besonders die Bereiche Film und Tanz bespricht sie seitdem in Online-, Print-, Radio- und Videoformaten. Darüber hinaus arbeitet sie bei der Süddeutschen Zeitung.

Erik Poppes „Utoya – 22. Juli“ zählt mit Sicherheit zu einem der umstrittensten Filme auf der diesjährigen Berlinale. Auf der einen Seite finden sich Stimmen, die es als pietätlos erachten, einen Film über die Dutzenden Opfer, die den Tod durch den rechtsextremen Anders Breivik auf der norwegischen Insel Utøya fanden, filmisch auszuschlachten und die es als Zumutung betrachten, sich das Grauen auch noch in Echtzeit anschauen zu müssen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die in dem Film eine Möglichkeit der Aufarbeitung für die Betroffenen sehen, ein mutigen Schritt Poppes und ein Fragment gegen das Vergessen. Unabhängig davon, wo man sich verortet, ist der Film jedoch ein fesselnder. 72 Minuten lang, so lange wie das Massaker durch Breivik tatsächlich dauerte, begleitet man die 19-jährige Kaja (Andrea Berntzen) auf ihrer Flucht. In einem Take gefilmt, ist die Kamera dabei immer ganz nah an ihr dran, während sie versucht, ihre Schwester zu finden, und schlägt sich mit ihr durch Gestrüpp, kämpft sich über Klippen, durch Wasser und Schlamm. Im Hintergrund hallen immer wieder laute Schüsse, aus Richtungen, die man nie verorten kann und von einen oder mehreren Personen abgefeuert, die man nie sieht. Zumindest über die akustische und bildliche Gewalt kann man nicht diskutieren.