Berlinale-Kurzkritik: „Eva“

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Berlinale 2018, Filme im Wettbewerb: „Eva“ von Benoit Jacquot. Eine Kurzkritik

Von Tatjana Michel

Von Tatjana Michel

Tatjana Michel

Tatjana Michel studierte Psychologie in Salzburg, Hong Kong und München und legte während dieser Zeit ihren Schwerpunkt vor allem auf das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben. Danach wandte sie sich der Kulturkritik zu. Besonders die Bereiche Film und Tanz bespricht sie seitdem in Online-, Print-, Radio- und Videoformaten. Darüber hinaus arbeitet sie bei der Süddeutschen Zeitung.

Selbst wenn mehr als 50 Jahre vergangen sind, seitdem Jeanne Moreau die Edelprostituierte Eve in der gleichnamigen Filmadaption des Romans von James Hadley Chase spielte, tritt man kein leichtes Erbe an, wenn man dieser Grande Dame des französischen Films nachfolgt. Doch wenn es jemand versuchen kann, dann die wundervolle Isabelle Huppert. Wenn man sich allein ihre Rollen aus den letzten beiden Jahren ansieht, erkennt man, dass die Figur der unnahbaren und berechnenden Edelprostituierten, in der Neuauflage durch den Regisseur Benoit Jacquot inszeniert und in Eva umgetauft, ihr eigentlich wie auf den Leib geschrieben scheint. Eigentlich. Denn selbst eine Isabelle Huppert kann nichts retten, wo es nichts zu retten gibt. Jacquot macht aus dem Roman eine uninspirierte Geschichte um den jungen Mann Bertrand (Gaspard Ulliel), der einem toten Schriftsteller sein neustes Theaterstück klaut und als sein eigenes ausgibt. Zuerst hochgejubelt, warten nun alle auf eine neue Meisterleistung durch Bertrand, mit der er jedoch natürlich nicht aufwarten kann. Bis er Eva trifft und aus den Begegnungen und Gesprächen mit ihr Material für sein neues Stück schöpft. Gleich zu Beginn beschleicht einen das Gefühl, dass Jacquot sich den fehlenden Einfallsreichtum und die Unfähigkeit, sich in Figuren und Beziehungsdynamiken hineinzudenken, von seiner Figur übernommen hat. Die Geschichte verflacht genauso schnell wie ihre Charaktere. Da kann man sich selbst an Isabelle Huppert irgendwann nicht mehr erfreuen.