Berlinale-Kurzkritik: „Las Herederas“

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Berlinale 2018, Filme im Wettbewerb: „Las Herederas“ von Marcelo Martinessi, ausgezeichnet mit dem Alfred-Bauer-Preis  und dem Silbernen Bären für Ana Brun als beste Hauptdarstellerin. Eine Kurzkritik

Von Tatjana Michel

Von Tatjana Michel

Tatjana Michel

Tatjana Michel studierte Psychologie in Salzburg, Hong Kong und München und legte während dieser Zeit ihren Schwerpunkt vor allem auf das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben. Danach wandte sie sich der Kulturkritik zu. Besonders die Bereiche Film und Tanz bespricht sie seitdem in Online-, Print-, Radio- und Videoformaten. Darüber hinaus arbeitet sie bei der Süddeutschen Zeitung.

Eine leise Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen in den Fünfzigern, eine Geschichte über das Begehren auch im vorgeschrittenen Alter, ein fast ausschließlich weiblicher Cast. Ein Film ist nicht zwangsläufig dadurch gut, dass er nur Frauen zeigt und überdies ein lesbisches Paar, welches nicht gleich sexuelle Fantasien beim Zuschauer entfacht. Aber der paraguayische Regisseur Marcelo Martinessi traut sich mit „Las Herederas“ etwas, wovor sich das Mainstreamkino fürchtet: Chela (Ana Brun) und Chiquita (Margarita Irún) haben so große finanzielle Schwierigkeiten, dass Chela wegen Überschuldung in ein Frauengefängnis kommt. Chiquita, die sich bisher um nichts kümmern musste, steht plötzlich allein und immer noch ohne finanzielle Mittel da. Zufällig kommt sie dazu, einen Taxi-Service für die wohlhabenden Frauen in ihrer Nachbarschaft anzubieten. Dadurch schließt sie neue Kontakte und erkundet einen nach außen abgeschotteten Teil der Gesellschaft in Paraguay, lernt aber vor allem eine neue Version ihrer selbst kennen. Ein unaufgeregter Film über die Schwierigkeiten, seinem Leben auch noch im höheren Alter eine neue Wendung zu geben. Und über die verschiedenen Formen von Liebe und Zuneigung. „Las Herederas“ wurde mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet, Ana Brun gewann den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin.